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KULTURPROJEKT: „VIELFALT DER GEMEINSAMKEITEN“

1. Einführung

In Deutschland wird die kulturelle Dimension und Vielfalt des Islam –selbst von der Mehrheit der Muslime – kaum wahrgenommen. Islamische Kultur kommt häufig mit negativen Assoziationen wie „Traditionen“ oder „Rückständigkeit“ vor. Die reiche islamische Literatur, Architektur, Kunst, Kalligraphie, Musik und vieles andere mehr, wird hier kaum nach außen getragen. Es scheint so, als würden Muslime Teile ihre Kulturen nur in Moscheen ausleben.

Heute weiß man, das z.B. unter „deutscher“ oder „türkischer“ Kultur keine abgeschotteten Systeme gemeint sind, denn die Menschen beider Kulturräume haben durch ihre vielfältigen Beziehungen in der Vergangenheit viele Grenzen überquert und dadurch viel von- und übereinander gelernt. Es hat neben den politischen und wirtschaftlichen Beziehungen auch ein kultureller Austausch stattgefunden. Auch durch Migration und Tourismus sowie durch interreligiösen und interkulturellen Dialog haben sich die Gesellschaften immer mehr verändert.

Selbst wenn in pluralistischen Gesellschaften nicht jeder die gleiche Sprache spricht oder derselben Religion bzw. Weltanschauung angehört, so teilen die Menschen viele Gemeinsamkeiten, die über Sprache und Religion hinausgehen. Deutsche essen genauso gerne Döner wie Türken auch, und beide hören gerne englische Musik. Natürlich gibt es viel mehr als das. Im Grunde geht es darum, dass Menschen, egal wie unterschiedlich sie sind, mehr Gemeinsamkeiten haben als Unterschiede. Vielfalt ist interessant, so wie die Vielfalt der Musik und der Kunst.

2. Projektbeschreibung und -ziel

Die „Vielfalt der Gemeinsamkeiten“ ist im deutschen wie im türkischen Kulturraum ein Segen. Was wir brauchen, sind Menschen, die sie übersetzen, deuten und weitergeben. Sie stellen die Verbindungen her, weil sie beide Seiten kennen und das Nützliche auf beiden Seiten zu schätzen wissen. Sie verhelfen beiden Seiten – fern von Absolutheitsansprüchen – sich zu ergänzen und schließen alle Menschen in ihr „Kulturbild“ ein. Sie möchten mit ihren Werken die Sinne wie die Herzen gewinnen. Dabei benutzen sie mehr als nur Worte. Worte sind für sie ein Mittel, doch nicht das einzige oder das beste Mittel zur Verständigung.

Sie möchten die offenen Ohren und offenen Augen für mehr als nur die äußere Wahrnehmung öffnen. Sie möchten ihre Künste für alle verständlich machen. Diese sollen keine fernen und fremden Elemente einer anderen Kultur mehr sein. Sie sollen als neue „deutsche“ Schätze wahrgenommen werden. Und wenn ein türkischer Künstler aus Deutschland ins Ausland reist, um Musik zu spielen oder Bilder auszustellen, dann sollen die Menschen im Ausland nicht denken oder sagen, das diese „Musik aus der Türkei“ sei, sondern aus Deutschland.

Die Projektmitglieder möchten auch weiteren Künstlern, die sich mit Elementen der einen oder anderen Kultur beschäftigen, ermöglichen, auszubrechen aus der Isolierung des Exotischen, Fremden und Fernen und ihnen helfen, dieser Gesellschaft Schätze neuer deutscher Kultur(en) zu schenken.

Das Islamische Wissenschafts- und Bildungsinstitut liefert als Koordinator den wissenschaftlichen Anteil und hilft, die Werke mit schriftlichen Beiträgen und Kulturtagungen zu fördern. Schließlich müssen vorgetragene Gesänge, so übersetzt werden, dass sie hier und heute verstanden werden und vielleicht sogar einen neuen Sinn bekommen. Denn dies alles soll Sinn machen. Und das ist nur möglich, wenn es verstanden wird. Dafür möchten die Projektmitglieder gemeinsam auf den Weg gehen und sich und ihre Kunst der Öffentlichkeit erklären. Durch diese Erklärung soll die Gesellschaft, in der sie mit ihren Fähigkeiten und Werken wirken, aufgeklärt werden über den tiefen Sinn der schönen Dinge. Die Menschen sollen Anteil haben an den schönen Dingen des Lebens und über sie – die Kunst, die Musik, die Poesie – eine emotionale Beziehung zum bisher Fremden, Fernen und manchmal sogar beängstigenden Anderen herstellen.

Sie sollen lernen, tief in ihrem Inneren zu vertrauen. Doch um das Unbekannte vertraut zu machen, brauchen wir Menschen, die die Fähigkeit dazu haben und die Vorbilder des Dialogs zwischen und innerhalb der Kulturen sind. Sie beweisen durch ihren bisherigen Einsatz, dass sie Mut haben über Grenzen zu gehen und sich dennoch auf beiden Seiten zuhause zu fühlen. Sie möchten auch anderen, Wege des Muts zeigen und sie motivieren, sich für Verständigung einzusetzen.

3. Zeitraum: 2003-2005

4. Teilnehmer: Ali-Özgür Özdil (Projektkoordination), Anne-Elisabeth Seevers (Ornamentik/Buchmalerei), Lahsen Azougaye (Kalligraphie und Stukkatur), Phago (Kunst/Phagosufismus), Turan Vurgun (Group-Ahenk: Klassische Musik, Volksmusik).

Gemeinsame Veranstaltungen der Projektgruppe 2003-2005

2003

Tage der offenen Tür im IWB:

Das Islamische Wissenschafts- und Bildungsinstitut e.V. (IWB), dass sich ab April 2002 in der Gründungsphase befand und seit Mai 2003 offiziell eröffnet wurde, hat vom 18.-21. September 2003 vier „Tage der offenen Tür“ veranstaltet. Diese Tage wurden von einer Bilderausstellung der Künstler „Phago“ (Mitglied unserer Projektgruppe) und Raban Kramer begleitet. Am Eröffnungstag hat die Group Ahenk (Mitglied unserer Projektgruppe) türkische und klassische Volksmusik gespielt.

Ramadan-Empfang der Hamburger SPD-Fraktion:

Am 29. November 2003 haben der Künstler „Phago“ und die Group Ahenk auf Vermittlung des IWB e.V., den Ramadan-Empfang der Hamburger SPD-Fraktion im Hamburger Rathaus bereichert.

2004

Ausstellung und Lesung im „Waschhaus“:

Am 23. Mai hatten die Projektmitglieder Anne-Elisabeth Seevers und Ali-Özgür Özdil (IWB e.V.) eine gemeinsame Veranstaltung (Kunstausstellung mit einer Lesung) mit Dr. Peter Schütt (auch Projektmitglied) im „Waschhaus“, einer interkulturellen Begegnungsstätte.

Vernissage bei René Kern:

Am 29. April hatte „Phago“ gemeinsam mit der Group Ahenk eine Vernissage bei René Kern am Jungfernstieg.

Ausstellung mit Musik im Theorie- & Praxis-Verlag:

Am 29. Oktober hat im „Theorie- & Praxis-Verlag“ in Altona eine gemeinsame Veranstaltung von Anne-Elisabeth Seevers und Turan Vurgun von der Group Ahenk stattgefunden.

Ramadan-Empfang der Hamburger SPD-Fraktion am 15.11.2004:

Erneut haben die Projektmitglieder den Ramadan-Empfang der Hamburger SPD-Fraktion im Hamburger Rathaus mit Musik der Group Ahenk und Ausstellungen der Künstler Lahsen Azougaye (Kalligraphie und Stukkatur) und Anne-Elisabeth Seevers (Ornamentik/Buchmalerei) bereichert.

Tag der offenen Tür im IWB:

Am 07. Dezember fand im IWB ein „Tag der offenen Tür“ mit einer Ausstellung aller Projektmitglieder statt.

Kunstausstellung in Lübeck:

Unter dem Titel: „Hamburg-Istanbul-Tanger, Weihnachtliches Event“, hatten die Künstler Anne-Elisabeth Seevers, Lahsen Azougaye und „Phago“, gemeinsam mit den Künstlern Oliver Hertel (Skulpturen) und Ahmad Hosseini (Portraits) eine Ausstellung vom 17.-23. Dezember 2004.

2005

Ausstellung im Schloss Luisenlund (Güby):

Im Rahmen einer Veranstaltung zum EU-Beitritt der Türkei fand am 12.04.05 eine Ausstellung der Künstler Anne-Elisabeth Seevers und „Phago“ sowie eine musikalische Begleitung der Musikgruppe Ahenk im Schloss Louisenlund (Güby) statt. Das IWB e.V. hat das türkische Büffet dazu organisiert.